Gefangene

Menschenrechtler fordern eine internationale Untersuchung der Übergriffe im Teheraner Evin-Gefängnis, bei denen über 30 Gefangene verletzt wurden. Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly verurteilt die Gewalt gegen politische Gefangene aufs Schärfste. Im Iran fordern Familienangehörige die Freilassung der politischen Häftlinge.

Berichten von Gefangenen und Medien zufolge stürmten am 17. April etwa 100 Regimepolizisten und Geheimdienstagenten in Kampfausrüstung unter dem Vorwand einer Sicherheitskontrolle die Abteilung 350 des Teheraner Evin-Gefängnisses (Bild), wo zahlreiche politische Gefangene inhaftiert sind.

 

Begleitet von Kameraleuten verprügelten und misshandelten sie die Inhaftierten und sperrten sie in Einzelhaft. Bei der über fünfstündigen Polizeiaktion wurden mehr als 30 der Gefangenen zum Teil schwer verletzt. Viele Gefangene erlitten Knochenbrüche und blutende Schlagverletzungen. Vier der Verletzten wurden in ein Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses eingeliefert. Mindestens zwei Gefangene sollen sich Rippenbrüche zugezogen und ein dritter einen Herzinfarkt erlitten haben. Letzterer wurde auf die Intensivstation eines Krankenhauses außerhalb des Gefängnisses gebracht.

Unter den schwer verletzten politischen Gefangenen ist Gholamreza Khossravi (im Bild mit seinem Sohn).

32 Gefangene wurden in Einzelhaft verlegt, darunter der Anwalt Abdolfattah Soltani und der Aktivist für die Rechte von Minderheiten Sa'id Metinpour, der selbst der aserbaidschanischen Minderheit im Iran angehört. Während der Verlegung wurden die Gefangenen mit Schlagstöcken geschlagen.Als einen besonderen Akt der Demütigung schnitten die Gefängnispolizisten den Gefangenen Bart und Kopfhaar ab. Über das Schicksal von mehr als 20 Häftlingen herrscht noch Ungewissheit.

Das verantwortliche Justizministerium leugnet den Vorfall, der nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen selbst im Iran, der immer wieder wegen der willkürlichen und menschenunwürdigen Behandlung von Gefangenen scharf kritisiert wird, bisher einmalig ist.

Die Gewalt gegen die Gefangenen im Evin-Gefängnis wurde international scharf verurteilt. Amnesty International setzt sich mit einer Eilaktion für den Schutz der Gefangenen ein und fordert eine unabhängige, unparteiische und gründliche Untersuchung der Vorfälle im Evin-Gefängnis.

Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly (Bild) verurteilte aufs Schärfste die Übergriffe gegen politische Gefangene im Teheraner Evin-Gefängnis – darunter auch Abdolfattah Soltani, Träger des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises. Er erklärte: „Politische Gefangene wie Abdolfattah Soltani sind häufig vielfältigen Formen von Willkür und entwürdigender Behandlung ausgesetzt. Die Garantie der Menschenwürde auch und besonders in Haftsituationen gehört jedoch zu den fundamentalen Schutzpflichten des Staats und ich fordere die Verantwortlichen in Politik und Justiz der Islamischen Republik Iran auf, sich an die von ihnen ratifizierten Menschenrechtsnormen zu halten. Des Weiteren halte ich an meiner Forderung nach eine unverzüglichen Freilassung unseres Menschenrechtspreisträgers fest!“

Im Iran protestierten Familienangehörige politischer Gefangener (Bild) mit Mahnwachen vor Regierungsgebäuden gegen die Gewalt im Evin-Gefängnis und forderten die Freilassung der politischen Gefangenen.

Politische Häftlinge der Abteilung 350 befinden sich zur Zeit im Hungerstreik, um gegen die Einzelhaft und für eine angemessene medizinische Versorgung der Verletzten zu protestieren.