Frauen

 

Manchmal wirst Du gezwungen, Worte zu benutzen, an die Du in Wahrheit nicht glaubst, wie „Held“. Ich war immer dagegen Helden zu schaffen oder sie zu preisen. Für mich ist ein Held jemand, der ein Idol oder ein Vorbild ist, das keine Fehler hat. Aber jeder Mensch hat Fehler, die ihn oder sie disqualifizieren, ein Held zu sein; das Gleiche gilt für all die Helden, von denen wir lesen in Geschichten, weil wir wirklich nicht viel wissen über ihr wirkliches, persönliches Leben. Aber manchmal fühlt man sich doch genötigt, diese Worte zu benutzen, obwohl man gegen sie ist. Denn ab und zu findet man Menschen, die sogar mit ihren Fehlern nichts anderes als Helden genannt werden können, so wie Schwester Shiva.

Shivas Anstand und ihre Gewissenhaftigkeit sind  unermeßlich. Das Ausmaß ihrer Liebe zieht die Jüngsten und die Ältesten und die Unterdrückten an. Sie ist nicht umsonst ein Held geworden. Was sie zum Helden gemacht hat, sind  ihr Lebensweg und ihre Taten. Shiva ist anders als die Helden, von denen wir in Büchern lesen. Sie ist nicht unerreichbar und sie existiert nicht nur in der Fantasiewelt der Bücher. Sie ist hier, immer in der Nähe. Wir haben sie viele Male gesehen, besonders in den dunklen und schweren Tagen.

Die meisten Gefangenen erinnern sich, daß, während alle anderen mit ihrem täglichen Leben beschäftigt waren, Shiva Geld ausgab um schöne Blumenbouquets zu kaufen und sie zu den Besuchen bei Familien von Gefangenen mitzubringen, sodaß sie sich nicht allein und vergessen fühlten in ihrer Sorge und ihrem Leid.

Viel e Gefangene erinnern sich an Shivas Bemühungen  und Unterstützung um ihre Freiheit und ihr Wohlergehen . Die arbeitenden Kinder, die Kinder ohne Schule und die aufgegebenen Kinder spielten eine große Rolle in Shivas Alltagsleben. Shiva war nie auf Posten oder Aufmerksamkeit aus. Sie war auch nicht politische Anhängerin bestimmter  Gruppen. Es gab für sie keine Sperren bei der Verteidigung der Menschenrechte.

Manchmal muß man das Wort „Held“ benutzen, nicht um einen Helden zu machen, aber um jemandes Leistungen im Leben anzuerkennen. Shiva ist ein Held, aber ich bin in Sorge, wenn ich sie so nenne. Denn in unserer heutigen Gesellschaft machen wir uns Helden und dann töten wir sie. In diesem Augenblick beten wir sie an und im nächsten trampeln wir auf ihnen herum.

In vielen Gesellschaften sind Mutter Teresa und Florence Nightingale Nationalhelden. Ich wünsche, daß dasselbe auch mit den Helden in unserer Gesellschaft geschieht. Schwester Shiva ist die Schwester des Respekts für unsere iranische humanistische Identität. Sie ist die Schwester der Menschenrechte.

Ich preise Shivas Eltern. Und ich grüße Schwester Shiva, eine integre  Aktivistin für die Menschenrechte.

Ahmad Batebi kam als studentischer Aktivist zu internationalem Ruhm, als er auf dem Titelblatt des „Economist“ erschien, wo er ein Hemd hochhielt, das mit dem Blut eines anderen Protestierers getränkt war.

Das Foto, das als „Ikone für Irans Studentenbewegung“ bezeichnet wurde, war während der Unruhen im Juni 1999 gemacht worden. Nach seiner Veröffentlich wurde Batebi verhaftet, vor Gericht gestellt , „öffentlicher Unruhestiftung“ schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Nach nationalen und internationalen Protesten wurde die Strafe auf 15 Jahre Haft reduziert. Während einer Haftunterbrechung zu medizinischer Versorgung wurde Batebi zur Flucht in den Irak verholfen. Er durfte später aus humanitären Gründen in die USA einreisen und erhielt dort Asylrecht.