Ashraf & Liberty

Menschliches Drama in Ashraf verhindern

Freitag, den 13. September 2013

Political Post


Iranische Dissidenten sind nach dem Massaker im Camp Ashraf verschleppt worden. UN und USA müssen unverzüglich handeln, um ein weiteres menschliches Drama zu verhindern fordert Prof. Dr. Rita Süssmuth in diesem Gastbeitrag.Endlich gibt es ein erstes Lebenszeichen von den sieben Geiseln, die nach dem Massaker vom 1. September 2013 aus dem Camp Ashraf (Irak) verschleppt wurden. Das totale Schweigen der irakischen Regierung über das Schicksal dieser Dissidenten ist äußerst gefährlich und Besorgnis erregend. Ein Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft ist dringend geboten. An erster Stelle fordern wir die UN-Hilfsmission für den Irak (UNAMI) und die USA auf, alles zu tun, um das Leben der sieben Geiseln zu retten.

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Camp Liberty: Medizinischer Notstand fordert weiteres Todesopfer

Mohammad Hossein Barzmehri musste sterben, weil die medizinische Versorgung der Asylsuchenden in Camp Liberty behindert wird. 900 Bewohner des Lagers sind an Infektionskrankheiten erkrankt. Die Behinderung medizinischer Hilfe stellt eine vorsätzliche Repressalie gegen die Exiliraner dar.

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Berichten aus dem Irak zufolge haben die iranischen Asylsuchenden in Camp Liberty bei Bagdad einen weiteren Toten zu beklagen. Am 13. April starb der 61jährige Mohammad Hossein Barzmehri (Bild) in der Krankenstation von Camp Liberty an einem Schlaganfall. In der Krankenstation gibt es keine Geräte für lebenserhaltende Maßnahmen. Der Tod des in den USA ausgebildeten Bauingenieurs ist auf Stress und extreme Erschöpfung zurückzuführen. Er hatte sich in den letzten Wochen um die Verletzten gekümmert, die nach einem Terroranschlag auf das Lager dringend Pflege benötigten.

In Camp Liberty sind mehr als 3000 iranische Oppositionelle unter menschenunwürdigen Bedingungen interniert. Die Krankenstation in dem Lager ist weder für die Versorgung von 3000 Menschen noch für die Behandlung von Notfällen ausgestattet. Der freie Zugang zu medizinischer Versorgung außerhalb des Lagers wird den Asylsuchenden verweigert. Das irakische Militär, das das Lager kontrolliert, versucht, die iranischen Flüchtlinge durch Menschenrechtsverletzungen zu zermürben. Die Behinderung medizinischer Hilfe stellt eine vorsätzliche Repressalie gegen die Exiliraner dar.

Die irakische Lagerleitung verhindert, dass die in der Siedlung Ashraf, wo die Exiliraner bis Anfang 2012 gelebt haben, vorhandenen medizinischen Einrichtungen und Geräte nach Camp Liberty gebracht werden. Besonders seit dem Terroranschlag auf das Lager im Februar 2013 und seit dem Ausbruch von Infektionskrankheiten herrscht dort der medizinische Notstand. Seit der Irak die medizinische Versorgung der Exiliraner vorsätzlich behindert, starben bereits 13 der Flüchtlinge, deren Rettung mit ausreichender ärztlicher Hilfe möglich gewesen wäre.

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Unterdessen breiten sich Infektionskrankheiten in Camp Liberty immer mehr aus. Mit dem Beginn der heißen Jahreszeit haben Staub- und Sandstürme die Kontamination mit Schadstoffen in der Luft verstärkt und Krankheiten häufiger und schwerer gemacht. Bei zwei Überschwemmungen im Dezember 2012 und Januar 2013 gab es ebenfalls eine auf das ganze Lager ausgedehnte Kontamination, da das Hochwasser mit Abwässern aus den maroden Abwassertanks verseucht war. Die kontaminierten Bereiche im Lager sind zum Herd für alle Arten von ansteckenden Krankheiten geworden. Weil es dort keine asphaltierten Straßen gibt, haben die verschlammten Wege und der Verkehr der Fahrzeuge auf den verschmutzten Straßen dazu geführt, dass sich schädliche Partikel im ganzen Lager ausgebreitet haben.

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Unter diesen Bedingungen ist die Zahl der Bewohner mit Augeninfektionen auf mehr als 400 Fälle angestiegen. Die grassierende Krankheit beginnt mit einer Rötung der Augen, Schmerzen an den Augen und Trübung, es folgen ein heftigeres Brennen und eine zeitweise beeinträchtigte Sehfähigkeit.

Außerdem sind mehr als 900 Bewohner an einer mit Fieber verbundenen Virusinfektion erkrankt. Die Kranken leiden an großer Müdigkeit, Schmerzen am ganzen Körper, Atemnot, Schüttelfrost und hohem Fieber. Da in dem Lager so viele Personen zusammengedrängt leben müssen, Gesunde von Kranken nicht separiert werden können und nicht genug Platz in den Wohnbaracken vorhanden ist, breiten sich diese Krankheiten sehr schnell epidemisch aus.
Die iranischen Asylsuchenden haben erneut an die internationale Gemeinschaft appelliert, sich dafür einzusetzen, dass die notwendigen medizinischen Einrichtungen von Ashraf nach Camp Liberty gebracht werden und dass die medizinische Versorgungsblockade beendet wird.

Die Bereitstellung von medizinischer Versorgung ist ein legitimes Recht jedes Menschen. Die Unterlassung medizinischer Hilfe zum Zwecke der Unterdrückung gilt als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ist eine Form der körperlichen und seelischen Folter.

Irak: Camp Liberty erneut mit Raketen beschossen

Menschenrechtler und Sicherheitsexperten warnen vor weiteren Anschlägen auf die iranischen Oppositionellen und fordern die Evakuierung des Lagers Camp Liberty.

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Am Nachmittag des 29. April wurde das Lager Camp Liberty bei Bagdad, wo mehr als 3000 iranische Asylsuchende interniert sind, erneut mit mindestens 20 Raketen beschossen. Es gab keine Toten oder Verletzten, da die Raketen im südlichen Teil des Lagers in einiger Entfernung von den Wohnbereichen einschlugen. Die Detonationen verursachten Erschütterungen in allen Wohnbaracken des Lagers.

Dieser neue Angriff zeigt, in welcher Lebensgefahr die schutzlosen Zivilisten in dem Lager sind. Bereits am 9. Februar wurden in Camp Liberty acht Exiliraner bei einem grausamen Anschlag getötet, es gab mehr als 100 Verletzte. Fundamentalistische Söldner des Teheraner Regimes haben bereits weitere Anschläge gegen die iranischen Oppositionellen angedroht.

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Camp Liberty nach dem Anschlag vom Februar 2013: In den Wellblech-Baracken sind die Exiliraner Angriffen aus der Luft schutzlos ausgesetzt.

In Camp Liberty müssen die Menschen auf engstem Raum leben. In den Wohnbaracken des Lagers sind die Flüchtlinge Angriffen mit Raketen und Mörsergranaten schutzlos ausgeliefert. Es gibt dort keine Einrichtungen zum Schutz vor Anschlägen. Das irakische Militär, das das Lager kontrolliert, lässt nicht zu, dass in Camp Liberty Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden, damit die Flüchtlinge dort wenigstens behelfsmäßig vor weiteren Anschlägen geschützt werden. Die Betonwände, die früher zum Schutz der Wohnbaracken in dem Lager vorhanden waren, wurden trotz wiederholter Appelle nicht wieder in das Lager zurückgebracht. Zivilschutzmaßnahmen für die Flüchtlinge werden nicht zugelassen. In Camp Liberty gibt es keine ausreichenden medizinischen Einrichtungen zur Notversorgung von Verletzten.

Nach dem Raketenbeschuss am 29. April haben die Asylsuchenden in Camp Liberty erneut an die internationale Gemeinschaft appelliert, dass sie umgehend in sichere Drittländer evakuiert werden. Wenn das kurzfristig nicht möglich ist, wollen die Exiliraner in die Siedlung Ashraf zurückkehren, aus der sie 2012 zwangsweise vertrieben wurden, und dort unter internationalen Schutz gestellt werden. Durch ihre Größe, die festen Gebäude und die dort vorhandenen Schutzbauten bietet die Siedlung Ashraf mehr Sicherheit vor Terroranschlägen.

Während der vergangenen Wochen haben Menschenrechtler und Sicherheitsexperten immer wieder vor weiteren Anschlägen auf die iranischen Oppositionellen gewarnt und gefordert, das Lager Camp Liberty müsse angesichts aktueller Terrordrohungen gegen die Exiliraner evakuiert werden.

Der iranische Oppositionelle Abbas Djoohari ist seinen schweren Verletzungen erlegen.

   abbas-djoohari-150Der iranische Oppositionelle Abbas Djoohari (Bild) ist am Abend des 13. März in   einem Bagdader Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen.

 Der 51jährige Ingenieur war bei dem Terroranschlag auf Camp Liberty am 9.  Februar 2013 schwer verletzt worden. Bis zuletzt hatten sich Menschenrechtler und Ärzte vergeblich darum bemüht, dass der querschnittsgelähmte Patient zur Notbehandlung nach Deutschland gebracht wird.

Abbas Djoohari erlitt bei dem Anschlag am 9. Februar schwere Verletzungen im Bauch und am Rücken. Seine Milz musste vollständig entfernt werden. Seine Wirbelsäule wurde durch Granatsplitter schwer verletzt, was zur Lähmung vom Bauch abwärts führte.

In den vergangenen Wochen wurde der Exiliraner mehrmals in Bagdad operiert. Am 10. März wurde er mit Magenblutungen erneut in ein Bagdader Krankenhaus gebracht. Kurz darauf fiel er ins Koma und verstarb drei Tage später.

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