Zu den Rednerinnen und Rednern der Veranstaltung gehörten auch weitere namhafte Persönlichkeiten aus Deutschland, darunter waren Rita Süssmuth, langjährige Präsidentin des Deutschen Bundestages, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, ehem. Bundesministerin der Justiz, Günter Verheugen, Experte für Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik, und Horst Teltschik, langjähriger Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz.

Reden

 

 

Hilfe für Camp Liberty: Bernard Kouchner appelliert an die Europäische Union

Bernard Kouchner, Mitbegründer der Menschenrechtsorganisation Ärzte ohne Grenzen, richtete einen dringenden Appell an die Europäische Union, alle iranischen Asylsuchenden aus Camp Liberty (Irak) umgehend in Länder der EU aufzunehmen, da eine Rettung dieser Menschen nur so möglich sei.

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Der Mediziner Bernard Kouchner ist Mitbegründer der Menschenrechtsorganisationen Ärzte ohne Grenzen (MSF) und Ärzte der Welt (MdM). Er war in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrmals französischer Außen- und Gesundheitsminister. Bernard Kouchner ist international bekannt für seinen unbeirrbaren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen. Er fordert konsequente Einmischung, um menschliches Leid zu lindern und Opfern von Verfolgung, Vertreibung und Völkermord aktiv zu Hilfe zu kommen.


Bernard Kouchner hat am 7. März 2015 in Berlin an einer beeindruckenden Großveranstaltung mitgewirkt, die ein deutliches Zeichen für Toleranz, Menschenrechte und Gleichberechtigung und gegen Fundamentalismus und Extremismus setzte. Die Veranstaltung informierte über die Notlage von rund 3000 iranischen Flüchtlingen, die im Lager Camp Liberty nahe Bagdad Opfer von schweren Menschenrechtsverletzungen und Repressalien sind. Dazu gehört eine vom irakischen Militär verhängte medizinische Versorgungsblockade, die immer mehr Todesopfer unter den Exiliranern fordert.
Bernard Kouchner wirkt an der internationalen humanitären Kampagne mit, die sich für den Schutz und die Menschenrechte der iranischen Flüchtlinge im Irak einsetzt. In Berlin erklärte er, er habe zahlreiche Berichte von Medizinern über den Zustand der Kranken im Lager Camp Liberty erhalten, denen aufgrund der Blockade die notwendige medizinische Versorgung vorenthalten werde und deren Leid unbeschreiblich sei.
Bernard Kouchner richtete einen dringenden Appell an die Europäische Union, alle Asylsuchenden aus Camp Liberty umgehend in Länder der EU aufzunehmen, da eine Rettung dieser Menschen nur so möglich sei.

In seinem Vortrag sagte er u.a.:
„Ich appelliere ganz entschieden an die Europäische Union und Frau Mogherini, die verantwortlich für die Außenpolitik der EU ist, die beinahe dreitausend Menschen aus Camp Liberty aufzunehmen. Wir werden diesen Appell auch schriftlich an Frau Mogherini richten, damit etwas getan wird, um alle Menschen aus Camp Liberty willkommen zu heißen und ihnen Asyl zu geben.
Es ist unmöglich, vor Ort in Camp Liberty medizinische Hilfe zu leisten, denn die Menschen dort haben keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung. Auch wenn sie die Genehmigung bekommen, dauert es Wochen und manchmal Monate, bis sie endlich in einem Krankenhaus behandelt werden können. Mehrere Menschen sind in dem Lager bereits gestorben, weil ihnen jegliche Versorgung vorenthalten wurde.
Deshalb ist es unmöglich, dort zu helfen. Wir haben uns mit diesem Problem viele Male an die UNO gewandt, aber das war nicht sehr wirksam. Deshalb ist wirksame Hilfe nur durch die Europäische Union möglich. Ich rufe dazu auf, diesen Plan zu unterstützen, damit wir alle Asylsuchenden aus Camp Liberty in der Europäischen Union willkommen heißen können!"
Bernard Kouchner warnte in Berlin außerdem davor, das iranische Regime als Verbündeten des Westens im Nahen Osten zu sehen. „Der Westen hat weder gemeinsame Werte noch gemeinsame Interessen mit dem iranischen Regime in der Region. Eine solche Auffassung geht in die falsche Richtung und ist sehr gefährlich. Wir haben keine gemeinsamen Werte mit dem Iran. Das iranische Regime hat das Ziel, seine Vorstellung des islamischen Fundamentalismus in der Region zu verbreiten. Es will nicht, dass die Trennung von Staat und Kirche, die Demokratie oder individuelle Freiheiten sich in der Region etablieren. ... Der Iran spielt eine negative Rolle im Irak, in Syrien, im Libanon und im Jemen. Das iranische Regime ist nicht Teil der Lösung, sondern ein entscheidendes Teil des Problems."

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Rita Süssmuth: "Keine Beschwichtigung mehr, kein Schweigen mehr zu Menschenrechtsverletzungen!"
Die langjährige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth rief in Berlin dazu auf, das Engagement für die Unrechtsbekämpfung in Camp Liberty, im Mittleren Osten, insbesondere im Iran zu verstärken. "Wer in dieser Situation schweigt, macht sich mitverantwortlich für das Unrecht, das geschieht. Deswegen sind wir alle aufgefordert, nicht nur für die Rechte der Frauen, sondern für die Rechte der Menschen überall in der Welt zu kämpfen."
Rita Süssmuth, langjährige Präsidentin des Deutschen Bundestages, hat am 7. März 2015 in Berlin an einer beeindruckenden Großveranstaltung mitgewirkt, die ein deutliches Zeichen für Toleranz, Menschenrechte und Gleichberechtigung setzte. Themen waren u.a. der Einsatz gegen Fundamentalismus und Frauenfeindlichkeit, Menschenrechtsverletzungen an Frauen im Iran, die Notlage von iranischen Asylsuchenden im Irak und der weltweite Einsatz für die Gleichberechtigung der Frauen.
Zu den Rednerinnen und Rednern der Veranstaltung gehörten auch weitere namhafte Persönlichkeiten aus Deutschland, darunter waren Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, ehem. Bundesministerin der Justiz, Wolfgang Huber, ehem. Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Günter Verheugen, Experte für Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik, und Horst Teltschik, langjähriger Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz.
Rita Süssmuth sprach in ihrem Vortrag über die Notlage der iranischen Flüchtlinge, die im Lager Camp Liberty im Irak in akuter Gefahr sind, Opfer von Angriffen extremistischer Terrorgruppen zu werden. Die Frauen und Männer in dem Lager nahe Bagdad sind Opfer von schweren Menschenrechtsverletzungen und Repressalien. Rita Süssmuth wirkt an der internationalen humanitären Kampagne mit, die sich für den Schutz und die Menschenrechte der iranischen Flüchtlinge im Irak einsetzt.
In Berlin rief Rita Süssmuth die Bundesregierung auf, Asylsuchende aus Camp Liberty in Deutschland aufzunehmen, um sie vor weiterer Gewalt zu schützen:
„Ich erlebe in Camp Liberty – und daran müssen wir heute denken – mit welcher persönlichen Ausdauer, mit welcher Standhaftigkeit die Menschen dort all das erleiden und auf uns hoffen. Sie hoffen aber auch darauf, dass die Welt-Politik ihnen Schutz gewährt, einen Schutz, mit dem sie gleichzeitig ihre Freiheit wiedererlangen. Es ist lächerlich, wenn wir 150 dieser Flüchtlinge nicht nach Deutschland bringen können! Die 2600 Menschen, die jetzt noch in Camp Liberty verbleiben, brauchen sichere Länder, in denen sie das leben können, was wir hier leben. Das muss unsere Botschaft auch heute für Camp Liberty sein, wo viel Not herrscht."

Zum Einsatz gegen Fundamentalismus, Unrecht und für Menschenrechte erklärte die langjährige Bundestagspräsidentin u.a.:
„Ich danke der deutschen Delegation, ich danke allen, die hier verantwortlich gearbeitet haben, damit wir heute zu diesem Treffen in Berlin mitten in Europa zusammenkommen. Mir geht es heute darum, dass wir begreifen, dass wir nicht zur Verletzung von Menschenrechten schweigen können, um andere Ziele zu erreichen. Das ist Verrat an den Menschenrechten. Diese Gefahr ist sehr groß. Wir wissen als Politikerinnen und Politiker, auch demokratische Politik geht nicht ohne Kompromisse. Aber es gibt auch faule Kompromisse, und davor müssen wir dringend warnen."
„Worum geht es heute? Dass auch wir in Berlin unser Engagement für die Unrechtsbekämpfung in Camp Liberty, im Mittleren Osten, insbesondere im Iran verstärken. Das ist übernotwendig und dringlich. Wer in dieser Situation schweigt, macht sich mitverantwortlich für das Unrecht, das geschieht. Deswegen sind wir alle aufgefordert, nicht nur für die Rechte der Frauen, sondern für die Rechte der Menschen überall in der Welt zu kämpfen. Sie sind wirklich in größter Gefahr. Und es ist genau diese weltgeschichtliche Situation, die uns klar machen muss: Es gibt kein Abwarten mehr, keine Beschwichtigung mehr, sondern wir brauchen den Einsatz aller für das, was wir an Freiheit in diesem Land leben."

„Ich weiß, dass wir viele Vorurteile haben und seit 2013/14 wieder neue. Wir denken, der Islam ist eine gewalttätige Religion. Das ist hier mit kraftvollen Worten und Überzeugungen zurückgewiesen worden. Somit geht es um den Kampf für einen demokratischen Islam. Für das, was die Menschen im ägyptischen Frühling und im Frühling des Vorderen Orients gewollt haben und nach wie vor wollen. Wir sollten sie nicht allein lassen in diesem Kampf."
„Zurzeit herrschen die Waffen wieder in der Welt. Ich rufe Ihnen allen zu, die Waffen haben noch nie Frieden gebracht. Sie haben den Stopp von Gewalt erreicht. Aber wir müssen mehr leisten als mit Waffen Frieden zu erreichen."
„Ich erlebe oft, auch in meinem Land, das wir Frauen oft argumentieren, dieses und jenes kann man nicht machen. Ich möchte antworten: Man kann sehr viel machen! Wir sind nicht ohnmächtig, sondern viel mächtiger, als wir annehmen!
Es ist zutreffend, dass der Fundamentalismus keine Achtung hat vor den Menschen hat, dass der Frauenhass und die Frauenfeindlichkeit leitende Gesichtspunkte sind. Aber Frauen haben im Iran, in Südafrika, in großen Teilen der Welt gezeigt, dass sie stärker sein können!"

 

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Wolfgang Huber: Menschenwürde, Toleranz und Pluralität gegen religiösen Fundamentalismus
Wolfgang Huber, ehem. Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland: "Wir müssen unseren Respekt vor der Würde der anderen, unseren Sinn für Verschiedenheit und Pluralität dadurch unter Beweis stellen, dass wir kompromisslos auf der Seite derer stehen, die gegen Fundamentalismus Front machen, für demokratische und menschenrechtsorientierte Veränderungen im Iran eintreten."

Am 7. März 2015 fand in Berlin eine beeindruckende Großveranstaltung statt, die ein deutliches Zeichen für Toleranz, Menschenrechte und Gleichberechtigung setzte. Themen waren u.a. der Einsatz gegen Fundamentalismus und Frauenfeindlichkeit, Menschenrechtsverletzungen an Frauen im Iran und die Notlage von iranischen Asylsuchenden im Irak.
Zu den Mitwirkenden in Berlin gehörte auch der evangelische Theologe Wolfgang Huber (Bild). Er bekleidete von 1994 bis 2009 das Amt des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und war von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Für sein kirchliches und gesellschaftliches Engagement hat Wolfgang Huber zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und den Europäis

chen Kulturpreis für Theologie.
In seinem Vortrag erklärte Wolfgang Huber u.a.:
„Mit dem Thema religiöser Fundamentalismus ist eine Fülle von bedrückenden und traurigen Nachrichten verbunden, Tag für Tag, im Iran, wo Frauen im Namen der Religion mit Säure übergossen und Widerstandskämpfer zynischerweise in einem Lager festgehalten werden, das den Namen Freiheitslager trägt - aber auch in vielen anderen Ländern.
Wir denken nach über das Problem eines religiösen Fundamentalismus in einer Zeit, in der 21 koptische Gastarbeiter in Libyen enthauptet worden sind ihres Glaubens wegen. Wir reden darüber in einer Zeit, in der Kunstwerke, die tausende Jahre zurückreichen, Zeugen einer vergangenen Kultur und einer vergangenen Religion, mit Gewalt kaputt gemacht werden, Teile des Weltkulturerbes, die mit Bulldozern platt gemacht werden. Wir reden darüber in einer Zeit, in der assyrische Christen aus ihren Heimatdörfern in Nordsyrien fliehen mussten. Und viele von ihnen wurden gefasst, und wir wissen zur Stunde nicht, was mit ihnen passiert, weil da eine Terrororganisation Islamischer Staat ein Kalifat errichten will, in dem Menschen anderer Überzeugungen und anderen Glaubens keinen Platz mehr haben sollen.
Das ist der Kontext, in dem wir über diese Fragen heute nachdenken. Was hat das alles mit Religion zu tun? Die einen sagen: sehr viel, und die anderen sagen: gar nichts. Die einen begründen ihre Herrschaftsansprüche über andere Menschen mit ihrem eigenen Glauben, der keinen anderen Glauben neben sich duldet, und die anderen sagen: das kann keine wirklic

he Religion sein. Keine Religion kann so ausgelegt werden, dass sie Menschen das Recht auf ein eigenes Gewissen und eine eigene religiöse Überzeugung nimmt.
Ich bin ein Anhänger der zweiten Haltung, und deswegen trete ich schon seit Jahren dafür ein, dass Vertreter verschiedener Religionen, Judentum, Christentum, Islam, aber auch anderer Religionen, sich zusammentun in der gemeinsamen Überzeugung: wer die Ehre Gottes, wer den Respekt vor dem Heiligen wirklich ernst nimmt, der achtet die gleiche Würde jedes Menschen unabhängig von seiner religiösen Überzeugung, unabhängig von seiner nationalen Zugehörigkeit, unabhängig natürlich vom Geschlecht, Frauen und Männer gleichermaßen, und das nicht nur an einem Weltfrauentag, sondern an 365 Tagen im Jahr.
Es muss gelten: es gibt keine unterschiedliche Würde von Frauen und Männern, es gibt nur eine Menschenwürde. Und deswegen müssen wir an diesem Tag auch ganz klar und deutlich bekennen: Gewalt widerspricht der Würde und dem Auftrag des Menschen. Gewalt kann nur im äußersten Notfall eingesetzt werden, um Menschen daran zu hindern, andere umzubringen. Keine Gewalt kann gerechtfertigt werden, die darauf ausgerichtet ist, andere Menschen umzubringen. Das ist es aber, was heute geschieht und was wir niemals hinnehmen können."

Zu den Rednerinnen und Rednern der Veranstaltung gehörten auch weitere namhafte Persönlichkeiten aus Deutschland, darunter waren Rita Süssmuth, langjährige Präsidentin des Deutschen Bundestages, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, ehem. Bundesministerin der Justiz, Günter Verheugen, Experte für Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik, und Horst Teltschik, langjähriger Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz.

Im Vortrag von Wolfgang Huber heißt es weiter: „Warum spreche ich das an - an einem Tag, an dem wir unseren Respekt zollen für den Widerstand gegen undemokratische Verhältnisse im Iran, an einem Tag, an dem wir unseren Respekt zollen für alle die Bemühungen um die Umgestaltung des Iran? Ich erwähne das alles deswegen, weil die islamische Revolution im Iran von 1979, jetzt vor über 30 Jahren, eine Spur nach sich zieht, die über den Iran hinauswirkte und die immer radikaler fundamentalistisch und islamistisch wurde, je weiter sie reichte. Der Geist ist aus der Flasche und wir stellen uns die Frage, was kann geschehen?
Natürlich muss man islamistische Gewalt politisch bekämpfen, und die Glaubwürdigkeit aller Regierungen, die sich auf den Islam selber berufen, sie zeigt sich daran, ob sie dagegen Widerstand leisten. Aber wir in Europa sind natürlich genauso gefordert und gefragt. Wir müssen unseren Respekt vor der Würde der anderen, unseren Sinn für Verschiedenheit und Pluralität dadurch unter Beweis stellen, dass wir kompromisslos auf der Seite derer stehen, die gegen Fundamentalismus Front machen, für demokratische und menschenrechtsorientierte Veränderungen im Iran eintreten.
Den Schlüssel zu einer solchen Veränderung sehe ich in der jungen Generation, Frauen wie Männer, Mädchen wie Buben in gleicher Weise. Den Schlüssel sehe ich in einer Erziehung zur Toleranz und zum Respekt vor der Würde jedes Menschen. Eine solche Erziehung bedeutet nicht, dass Religion gleichgültig wird, sondern sie bedeutet, dass Menschen durchdringen zu einem aufgeklärten Verständnis ihrer eigenen religiösen Überzeugungen. Der Islam hat solche Entwicklungen schon einmal erlebt in früheren Jahrhunderten. Es ist an der Zeit, dass er sie wieder erlebt. Die gleiche Würde jedes Menschen und der Respekt davor, was einem jeden Menschen heilig ist, schließen sich nicht aus, sie gehören zusammen. Das muss die Botschaft für das 21. Jahrhundert sein."

 

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Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: "Pervertierung des Islam und menschenverachtende Diktatur"
Die ehem. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger rief Europa und Amerika auf, die iranischen Asylsuchenden, die im Lager Camp Liberty im Irak Menschenrechtsverletzungen und Repressalien ausgesetzt sind, aufzunehmen.

Anlässlich des Weltfrauentages fand am 7. März 2015 in Berlin eine Großveranstaltung statt, die ein deutliches Zeichen für Toleranz, Menschenrechte und Gleichberechtigung setzte. Zu den namhaften Persönlichkeiten, die an dieser Veranstaltung mitwirkten, gehörte auch Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die für ihr Engagement für die Freiheitsgrundrechte der Bürgerinnen und Bürger sowie für Frauen- und Kinderrechte bekannt ist. Sie war von 1992 bis 1996 sowie von 2009 bis 2013 Bundesministerin der Justiz.
In ihrem Vortrag befasste sich Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mit der Diskriminierung und Rechtlosigkeit der Frauen im Iran. Sie sagte u.a.:
„Morgen ist Frauentag. 34 Jahre alt ist jetzt das UN-Abkommen zur Beseitigung jeder Diskriminierung von Frauen. Und in vielen Teilen dieser Welt, aber eben gerade auch im Iran – da gelten keine dieser doch selbstverständlich festgeschriebenen Rechte.
Die Mullahs sagen: Das ist antireligiös. Das passt nicht mit dem Islam zusammen. Deshalb sind die Frauen rechtlos. Frauenfeindlichkeit ist eben eine dieser Triebfedern und führt dazu, dass Frauen nicht selbstbestimmt, sondern fremd dominiert leben. Und das wird uns vor Augen geführt. Und das wird mit einer Pervertierung des Islam versucht zu begründen."
„In der Verfassung der Islamischen Republik des Iran ist festgeschrieben, dass die Frauen nur Rechte haben, wenn sie mit den islamischen Standards, mit der islamischen Lehre übereinstimmen. Und deshalb wird im Iran eben ein Frauenmord als Ehrenmord verharmlost. Und es werden eher noch die geschützt, die die Täter sind, und die Angehörigen der Opfer werden zusätzlich noch drangsaliert. Das ist tiefstes, finsterstes Mittelalter im 21. Jahrhundert."
„Was Religionsrichter anrichten können und anrichten, ist nicht Gerechtigkeit, sondern Ungerechtigkeit. Nicht Gott ist der irdische Richter, sondern demokratisch verfasstes Recht, ausgeübt von unabhängigen Richtern."
„Gegen dieses brutale System mit Strafen, die nicht nur Strafen sind, sondern erniedrigen, ermorden, umbringen, muss vorgegangen werden. Gegen diesen Hass, der erzeugt wird. Davon geht, glaube ich, heute hier ein sehr überzeugendes Signal aus."

Tausende Menschen, die meisten Exiliranerinnen und -Iraner, waren aus ganz Deutschland und anderen Ländern zu der Veranstaltung angereist.
Die ehemalige Bundesjustizministerin bezeichnete den iranischen Widerstand, der sich für Demokratie und die Trennung von Religion und Staat im Iran einsetzt, als „Gegenmodell zu dieser Frauen verachtenden, Menschen verachtenden Diktatur"
In ihrem Vortrag rief Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Europa und Amerika auf, die iranischen Asylsuchenden, die im Lager Camp Liberty im Irak Menschenrechtsverletzungen und Repressalien ausgesetzt sind, aufzunehmen: „Wir alle wollen ihnen helfen und wollen diese Menschen aufnehmen und ihnen eine sichere Heimat bieten."

 

Presseecho: Humanitäre Hilfe aus Berlin für iranisches Flüchtlingscamp

Die Abendschau des rbb-Fernsehens berichtete über die Großveranstaltung in Berlin, die am 7. März 2015 zum Schutz von iranischen Asylsuchenden im Lager Camp Liberty (Irak) aufrief.

Der Bericht der Abendschau befasst sich mit der internationalen humanitären Kampagne, die sich für den Schutz und die Menschenrechte von iranischen Flüchtlingen im Irak einsetzt. Die Exiliraner wurden aus der Siedlung Ashraf zwangsvertrieben und im Lager Camp Liberty nahe Bagdad interniert. Die Kampagne arbeitet dafür, dass rund 3000 iranische Flüchtlinge aus Camp Liberty in sichere Länder evakuiert werden. Bis dahin müssen sie vor Menschenrechtsverletzungen, Terror und Gewalt geschützt werden. Die vom irakischen Militär verhängte medizinische Versorgungsblockade gegen die Exiliraner muss gestoppt werden. Dem Aufruf zu wirksamer medizinischer Hilfe für die Flüchtlinge in Camp Liberty haben sich mehrere Ärzteverbände in Europa angeschlossen.

Der iranische Arzt Dr. Mirhadi Madghalji hat bis zum September 2014 im Lager Camp Liberty an der medizinischen Versorgung der dort lebenden Flüchtlinge mitgewirkt. Dr. Madghalji bemüht sich zurzeit in Berlin um humanitäre Hilfe für seine Landsleute in Camp Liberty. Die Abendschau berichtete über sein Engagement.