Proteste im Inland

Der Kampf um Nedas Stimme

Der Standard, 23. Juni 2009 

Die Protestwelle im Iran reicht bis nach Wien, wo junge Facebook-Nutzer gegen den "Wahlbetrug" mobilisieren
Wien - Von einer Kugel getroffen fällt die junge Frau zu Boden. Sie wird von Menschen umringt, ein Arzt versucht, sie zu retten. Ihr Blut erblickend, geben die Umstehenden Schreie von sich. Die junge Iranerin hat so gut wie keine Chance zu überleben, sie soll angeblich von einem Basij-Militanten von einem Dach aus mitten ins Herz getroffen worden sein. Von den vielen Schreien ist einer am lautesten zu hören: "Bleib bei mir, Neda, bleib!", bittet ihr Vater vergeblich. Die junge Neda ist binnen weniger als zwei Minuten tot.

 

Tausende Demonstranten erobern die Straßen in Teheran

22. Juni 2009

Mehrere Tausend Menschen trafen auf dem Rezaiha Platz (dem so genannten Haft-e Tir) am Donnerstag um 18:20 Uhr aufeinander. Fast jeder der Unterdrückungsorgane des Regimes, aus den Reihen der Einheiten zur Zerschlagung von Aufständen, der Staatlichen Sicherheitskräfte (SSF), der paramilitärischen Bassij Gruppen und der Angehörigen zur Überwachung der ordnungsgemäßen Bekleidung traf auf Protestanten und schlugen auf sie ein, um den Aufstand niederzuschlagen. Die Mitarbeiter des iranischen Regimes setzten wiederholt Tränengas gegen die Bevölkerung ein, um sie möglichst auseinander zu treiben. Aber die Menschen widerstanden und es kamen immer mehr Menschen aus den benachbarten Straßen zu den Protestierenden.

 

 

 

 

Aufruhr gegen Ahmadinedschad

14. Juni 2009 

Financial Times - Regierungsgegner in Teheran steckten Müllcontainer in Brand und skandierten "Nieder mit dem Diktator", während der wiedergewählte Präsident Mahmud Ahmadinedschad in der Nähe eine Siegesrede hielt. Polizei und Mitglieder der berüchtigten Bassidsch-Miliz gingen mit Knüppeln und Reizgas gegen Demonstranten vor.
. . .Der Präsident wies alle Anschuldigungen zurück. Seine Wiederwahl könne nicht infrage gestellt werden, sagte Ahmadinedschad. Im Gegensatz zu liberalen Ländern, wo zwei oder drei Parteien das Sagen hätten, gebe es im Iran eine echte Demokratie. Der oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, beglückwünschte Ahmadinedschad und warnte Gegner vor "Provokationen".

Ahmadinedschad warf ausländischen Medien einen "psychologischen Krieg" gegen ihn vor. Journalisten beklagten, dass sie behindert worden seien, darunter die Korrespondenten von ARD und ZDF. Das Teheraner Büro des arabischen Senders al-Arabija wurde zeitweise geschlossen. Der britische Sender BBC berichtete, der Iran habe mit einem elektronischen Störfeuer auch die Satellitenübertragung behindert.

 

410 Protestaktionen im iranischen Monat des Ordibehesht (21. April – 22. Mai )

03. Juni 2009 

Iraner haben während des letzten Monats nach iranischem Kalender (21. April – 22. Mai) mehr als 410 Protestaktionen gestartet, um ihre tiefsitzende Verachtung gegen den religiösen Faschismus, die Unterdrückungsmaßnahmen und die katastrophalen Lebensbedingungen von Arbeitern und Lehrern kund zutun. Gleichzeitig haben Studenten 114 Streiks, Versammlungen und Sit-Ins veranstaltet, so dass die Campus sich in die Hauptzentren des Protestes gegen das kirchliche Regime verwandelten. Die studentischen Proteste wurden durch Parolen wie “Tot dem Diktator, Tot dem Faschismus”, “Entweder Tot oder Freiheit”, “Gewehre, Geschosse, Bassij: Sind nicht mehr effektiv”, eine Anspielung auf die paramilitärische Bassij Einheit des Regimes, animiert. 

Studenten in Tehran, Tabriz, Isfahan, Shiraz, Zanjan, Ghazvin, Mashhad, Babolsar, Arak, Karaj, Sistan va Balouchestan und Kermanshah gaben ihrer Empörung über die Vortäuschung der Präsidentschaftswahlen Ausdruck, in dem sie die Wahlkampagnen der Mullah zu einer Versammlung machten, bei der sie das gesamte Regime anprangerten und missbilligten.

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